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18.01.2007

Energie aus Abfall und umweltfreundlicher Kraftstoff für alle



Das hessische Wirtschaftsministerium informiert mit Infraserv Höchst in Berlin über innovative und umweltfreundliche Energieprojekte

Im Industriepark Höchst wird seit jeher „Zukunft gemacht“ – der Standort hat als ehemaliges Stammwerk der Hoechst AG eine lange Tradition, wenn es um Forschung und Entwicklung geht. Auch in Bezug auf innovative Energieversorgungskonzepte wird der Industriepark Höchst mit seinen heute mehr als 80 Unternehmen dem Anspruch gerecht, neue Akzente zu setzen und zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln. So realisiert Infraserv Höchst, als Betreibergesellschaft für die komplexe technische Infrastruktur des 4,6 Quadratkilometer großen chemisch-pharmazeutischen Forschungs- und Produktionsstandortes zuständig, gleich mehrere Projekte, die der ressourcenschonenden und effizienten Energieerzeugung dienen. Gemeinsam mit dem Hessischen Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dr. Alois Rhiel, stellten Jürgen Vormann und Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer von Infraserv Höchst, diese wegweisenden Projekte am 17. Januar bei einer Veranstaltung in der hessischen Landesvertretung in Berlin vor. Zu der Veranstaltung am 17. Januar hatte der Hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter beim Bund, Volker Hoff, die Gäste in der Hessischen Landesvertretung in Berlin begrüßt.

„Hessen handelt – Energie für heute und morgen: Innovative Energieprojekte zur nachhaltigen Entwicklung des Chemiestandortes Hessen“ lautete das Thema des Abends. „Wir müssen heute an den Lösungen für die energiepolitischen Fragen von morgen arbeiten, um als Industriestandort auf Dauer wettbewerbsfähig und attraktiv zu sein“, erläuterte Wirtschaftsminister Alois Rhiel. „Daher unterstützt die hessische Landesregierung Unternehmen, die auf diesem wichtigen Gebiet aktiv sind und den Wirtschaftsstandort Hessen somit insgesamt voranbringen.“ Der Industriepark Höchst, mit seinen 22.000 Arbeitsplätzen ohnehin ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Rhein-Main-Gebiet, setze zunehmend auch im Energiebereich wichtige Impulse, von denen nicht nur die am Standort ansässigen Gesellschaften profitieren.

Zwei dieser Projekte präsentierten Jürgen Vormann und Dr. Roland Mohr bei der gut besuchten Veranstaltung vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik. In beiden Fällen handelt es sich um „Zukunftsprojekte“: Die EBS-Anlage, die im Südwesten des Industrieareals entstehen wird, und die Wasserstoff-Tankstelle, die Mitte November an der südlichen Peripherie des Industrieparks in Betrieb genommen wurde. Ein „Zukunftsprojekt“ besonderer Art, da die Wasser- und Brennstoffzellentechnologie zweifellos zu den zukunftsorientierten Technologieformen gehört, auf der große Hoffnungen für die Zukunft ruhen.

EU-Projekt „Zero Regio“: Wasserstoff-Tankstelle am Industriepark Höchst

Die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in Hessen entstand im Rahmen des EU-Projektes „Zero Regio“, an dem 16 Partner aus vier europäischen Ländern beteiligt sind und das von Infraserv Höchst koordiniert wird. „Zero Regio“ steht für „Region ohne Emissionen“. Das Ziel lautet, im Rhein-Main-Gebiet und in der Lombardei die erforderliche Infrastruktur aufzubauen und zu testen, die für die Nutzung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen notwendig ist. Denn Voraussetzung für das ehrgeizige EU-Ziel, bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der europäischen Fahrzeugflotte auf Brennstoffzellen-Fahrzeuge umzustellen, ist das Vorhandensein einer geeigneten, störungsfrei funktionierenden Infrastruktur.

„Der Industriepark Höchst bot sich als Standort für eine derartige Einrichtung an, denn am Standort sind verschiedene Unternehmen ansässig, die sich in unterschiedlichen Bereichen mit der Weiterentwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie beschäftigen“, erläuterte Jürgen Vormann. Zudem fällt im Rahmen der chemischen Produktion am Standort Wasserstoff in großen Mengen an. „Pro Jahr stehen im Industriepark Höchst rund 30 Millionen Kubikmeter Wasserstoff zur Verfügung“, verdeutlichte Dr. Roland Mohr – immense Mengen, aufgrund derer der Industriepark Höchst als Standort für Unternehmen aus diesem Technologiebereich prädestiniert ist.

Weltweit neuartige Verdichtungs-Technologie

Infraserv Höchst hat für die Erschließung der neuen Wasserstoff-Tankstelle eine 1,7 Kilometer lange Pipeline verlegt, die die neue Einrichtung mit dem Wasserstoffzentrum im Industriepark Höchst verbindet. Um den Wasserstoff auf nahezu 900 bar komprimieren zu können, kam hierbei erstmals eine weltweit neuartige Verdichtungs-Technologie der Firma Linde zum Einsatz kam: Die extrem hohe Verdichtung wird von einem Verdichter mit einer ionischen Flüssigkeit als Arbeitsmedium erreicht, bei dem statt Metallkolben so genannte Flüssigkeitskolben zum Einsatz kommen. An der Tankstelle selbst ist der Wasserstoff mit 350 und 700 bar verfügbar, außerdem kann auch flüssiger Wasserstoff getankt werden. Integriert sind diese Betankungsmöglichkeiten in eine konventionelle Multikraftstoff-Tankstelle, an der auch Benzin, Diesel, Biodiesel, Erdgas und Flüssiggas angeboten werden.

„Mit der Inbetriebnahme der Tankstelle startet die Praxisphase des Projektes Zero Regio. Fünf Brennstofzellen-betriebene A-Klassen-Fahrzeuge, die von der Fraport AG auf dem Flughafengelände eingesetzt werden, liefern in den kommenden drei Jahren kontinuierlich Daten über die Energieeffizienz und die Umweltauswirkungen“, berichtete Jürgen Vormann. Auf diese Weise werden die Grundlagen für die Weiterentwicklung der Technologie gesammelt. „Die Eröffnung der ersten öffentlichen Wasserstoff-Tankstelle in Hessen ist für das Land von großer Bedeutung“, betonte Wirtschaftsminister Alois Rhiel. Wasserstoff als Energieträger verbinde eine ganze Reihe ökologischer und ökonomischer Vorteile, weshalb diese Technologie entscheidend für die energiepolitische Zukunftssicherung sein könne.

Ersatzbrennstoff-Anlage mit 675.000 Tonnen Jahreskapazität

Um die Verbindung von ökonomischen und ökologischen Vorteilen geht es auch bei einem Projekt, das Infraserv Höchst in den kommenden drei Jahren im Südwesten des Industrieparks realisieren wird. Hier entsteht eine Ersatzbrennstoff-Anlage, die mit einem Projektbudget von rund 300 Millionen Euro die größte Einzelinvestitionsmaßnahme darstellt, die bislang am Standort Höchst getätigt wurden. Die mit einer zirkulierenden Wirbelschicht ausgestattete Anlage wird mit einer Gesamtkapazität von 675.000 Jahrestonnen die größte Anlage ihrer Art in Deutschland.

„Die Ersatzbrennstoff-Anlage ist ein zentraler Bestandteil unseres innovativen Energiekonzeptes. Hier werden die sortierten und aufbereiteten heizwertreichen Fraktionen von Haus- und Gewerbemüll thermisch verwertet, die aufgrund der ‚Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi)’ seit 1. Juni letzten Jahres nicht mehr deponiert werden dürfen“, erläuterte Dr. Roland Mohr. Infraserv Höchst investiert in ressourcenschonende und unter Kostengesichtspunkten effiziente Energieerzeugungsanlagen, um auf diese Weise den rund 80 Unternehmen im Industriepark Höchst Strom und Dampf zu international wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten zu können. „Energiepreise sind für die produzierenden Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor“ so Jürgen Vormann. „Mit dem Ausbau unserer eigenen Energieerzeugungskapazitäten werden wir unabhängiger von den Schwankungen des Energiemarktes und steigern somit die Attraktivität des Standortes.“

Infraserv Höchst wird mit der Ersatzbrennstoff-Anlage Energie auf umweltfreundliche Weise produzieren, denn verwertet werden die heizwertreichen Bestandteile des Haus- und Gewerbemülls, für deren thermische Verwertung kommunale Anlagenbetreiber bislang keine ausreichenden Kapazitäten haben und die mit öffentlichen Investitionsmitteln nicht ohne weiteres zeitnah errichtet werden können. Der Industriepark Höchst ist als Standort für eine derartige Anlage besonders geeignet, da die am Standort ansässigen Chemie- und Pharmaunternehmen Prozessdampf benötigen und folglich neben dem Strom auch die in der Anlage produzierte Wärme unmittelbar genutzt werden kann. Aus diesem Grund weist bereits das von Infraserv Höchst betriebene Kraftwerk einen besonders hohen Energieausnutzungsgrad auf. „Wir werden auch die Ersatzbrennstoff-Anlage sehr effizient betreiben. Das kommt unseren Kunden in Form wettbewerbsfähiger Strompreise zugute, ist aber auch im Sinne einer ressourcenschonenden Energieerzeugung“, erklärte Dr. Roland Mohr. Die Grundsteinlegung wird im Laufe des Jahres 2007 vorgenommen, 2009 soll die Anlage in Betrieb gehen. 40 neue Arbeitsplätze werden mit dem Bau der Anlage entstehen, deren Leistung rund 70 MW betragen wird.

Ebenfalls zum Konzept der ressourcenschonenden Energieerzeugung gehört der Bau der Co-Fermentationsanlage im Industriepark Höchst. Im Sommer 2007 wird die Anlage in Betrieb gehen, in der ein Teil der am Standort anfallenden Klärschlämme zusammen mit Co-Substraten – Fermentationsrückständen oder überlagerten Lebensmitteln – in Biogas umgewandelt werden. Infraserv Höchst investiert 15 Millionen Euro in die Anlage, in der ab Sommer 2007 täglich rund 30.000 Kubikmeter Biogas erzeugt werden.

„Diese Projekte sind sehr eindrucksvoll. Sie belegen, dass sich hessische Unternehmen für die nachhaltige Entwicklung des Chemiestandortes Hessen einsetzen und zeugen von der Innovationskraft, mit der diese Unternehmen zukunftsorientierte Energietechnologien vorantreiben“, lobte Wirtschaftsminister Alois Rhiel die Aktivitäten von Infraserv Höchst.

Weitere Informationen zur Ersatzbrennstoff-Anlage

Infraserv Höchst mit Sitz in Frankfurt am Main betreibt anspruchsvolle technische Infrastrukturen für Chemie, Pharma und verwandte Prozessindustrien und ist Betreiber des Industrieparks Höchst. Infraserv Höchst versorgt Unternehmen mit Energien und Medien, übernimmt Entsorgungsleistungen und stellt Flächen sowie Infrastrukturen zur Verfügung. Von Umwelt-, Schutz- und Sicherheitsleistungen über Angebote aus dem Gesundheitsbereich bis hin zu Kommunikations- und IT-Services reicht das Leistungsspektrum. Als hundertprozentige Tochtergesellschaften gehören Infraserv Logistics, Provadis Partner für Bildung und Beratung, der Technikumsdienstleister Technion und Main Autoservice Höchst zur Infraserv-Höchst-Gruppe.

Die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und 150 Auszubildende. Zur Infraserv-Höchst-Gruppe gehören rund 2.700 Mitarbeiter und 199 Auszubildende. Im Jahr 2007 erzielte Infraserv Höchst inklusive der Tochtergesellschaften einen Umsatz von rund 901 Millionen Euro.

Der Industriepark Höchst ist Standort für rund 90 Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Basis- und Spezialitäten-Chemie, Pflanzenschutz, Lebensmittelzusatzstoffe und Dienstleistungen. Rund 22.000 Menschen arbeiten im Industriepark. Das Gelände ist 460 Hektar groß; davon sind noch 50 Hektar frei für Ansiedlungen. Die Unternehmen im Industriepark investierten im Jahr 2007 insgesamt rund 400 Millionen Euro am Standort. Die Summe der Investitionen beträgt seit dem Jahr 2000 etwa 3,1 Milliarden Euro.

Sämtliche Pressemitteilungen und -fotos von Infraserv Höchst gibt es auch im Internet unter www.infraserv.com. Die Rufnummer der Presse-Hotline lautet: 069 305-5413.




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