Neue Herausforderungen beim Gewässerschutz
Überarbeitung der Vorgaben für die Vorbehandlung von Niederschlagswasser
Im Rahmen des betrieblichen Umweltschutzes hat für Betreiber von Produktionsanlagen der verantwortungsvolle Umgang mit Abwasser einen besonderen Stellenwert. Die zuständigen Behörden stellen hohe Anforderungen an die Überwachung und Sicherung von Abwasserströmen – Anforderungen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. So müssen Unternehmen, die eine Erneuerung ihrer wasserrechtlichen Erlaubnis als Direkteinleiter beantragen, in der Regel durch einen sogenannten „Fachbeitrag zur Europäischen Wasserrahmenrichtlinie“ nachweisen, dass die Ziele diese Richtlinie nicht beeinträchtigt werden.
Autorin: Dr. Cornelia Buchheit, Leitung Gewässerschutz, Infraserv Höchst
„Verschlechterungsverbot“ muss beachtet werden
Dabei gilt ein „Verschlechterungsverbot“: Erteilt wird eine wasserrechtliche Erlaubnis nur, wenn sich aus der Bewertung ergibt, dass sich in keiner der als Bewertungsgrundlage geltenden Qualitätskomponenten Verschlechterungen ergeben. Die hierfür erforderlichen Untersuchungen sind sehr umfangreich und umfassen den ökologischen oder chemischen Zustand eines Gewässers, standortspezifische Parameter und vieles mehr. Die Zusammenarbeit mit Gewässerschutz-Experten und der enge Austausch mit den zuständigen Behörden sind dabei empfehlenswert.
Niederschlagswasser: Lösung für Industriestandorte in Arbeit
Auch die Vorgaben für die Behandlung und Bewertung von Niederschlagswasser werden derzeit aktualisiert. Bei Bauanträgen werden die neuen technischen Regelwerke bereits herangezogen, die unter anderem den Eintrag von Feststoffpartikeln beschränken. Für großflächige Industrie- und
Chemiestandorte lassen sich die für Siedlungsgebiete entwickelten Bewertungsansätze allerdings nicht ohne Weiteres übertragen. Deshalb wird derzeit an praxisnahen Lösungen gearbeitet, die den besonderen Bedingungen von Industriestandorten Rechnung tragen.
Gewässerschutz durch Abwasser-Wissen
Das detaillierte Wissen um die Zusammensetzung des eigenen Abwassers mit allen Teilströmen bildet die Grundlage für einen wirkungsvollen Gewässerschutz. Repräsentative Probenahmen, geeignete Messstellen und Analysen durch akkreditierte Labore sind erforderlich, um wasserrechtliche Anforderungen bewerten zu können und bei Bedarf problematische Abwasserströme zu identifizieren.
Infraserv Höchst: Umfangreiche Infrastruktur schützt den Main
Als Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst ist Infraserv Höchst unter anderem für die Wasserentnahme aus dem Main, das Kanalsystem und die Abwasserreinigungsanlage verantwortlich. Das Kanalsystem des Industrieparks des Standortes besteht aus rund 285 Kilometer Kühl- und Regenwasserkanäle, 55 Kilometer Biokanal für Prozessabwasser und 79 Kilometer Sanitärkanal – mit in Summe rund 6.000 Schächten. Die kontinuierliche Überwachung der Wasser- und Abwasserströme wird durch regelmäßige Probenahmen in Produktionsbetrieben und Kanälen sowie die Untersuchung von Grundwasser und die Analyse am Ablauf der Abwasserreinigungsanlage sichergestellt.
Hinzu kommen technische Sicherungssysteme für die Kühl- und Regenwasserströme: Online-Analysesysteme überwachen kontinuierlich verschiedene Parameter. Werden definierte Werte überschritten, erfolgt automatisch eine Aktivierung von Sicherungsanlagen, damit auffällige Abwasserströme zurückgehalten werden und nicht in den Main gelangen.
Umfassendes Notfallmanagement im Industriepark Höchst
Ergänzt wird dieses Konzept durch ein umfassendes Notfallmanagement. Bei nicht bestimmungsgemäßen Betriebzuständen stehen Bereitschaftsdienste, Probenehmer, Laborpersonal und weitere Fachkräfte zur Verfügung. Auch Szenarien wie Starkregen, der Anfall größerer Löschwasser-Mengen oder Störungen der biologischen Abwasserreinigung sind berücksichtigt. Bei Bedarf kann die Abwasserlast aus den Produktionsbetrieben gezielt reduziert werden, um die Reinigungsanlage und das Gewässer zu schützen.
Gewässerschutz als ganzheitliche Aufgabe
Moderner betrieblicher Gewässerschutz umfasst die kontinuierliche Beobachtung neuer gesetzlicher und technischer Anforderungen, Genehmigungsverfahren, Beratung und Analytik, die Überwachung von Einleitungen, technische Vorsorgemaßnahmen sowie ein funktionierendes Notfallmanagement. Die Fachabteilung Gewässerschutz von Infraserv Höchst unterstützt bei wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren, Probenahmen und Analysen, bei der Überwachung von Einleitstellen sowie beim anlagenbezogenen Gewässerschutz und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen.