15.12.2022 | Pressemeldung

Fachkräftesicherung mit innovativem Konzept

Positive Bilanz nach erstem Jahr: Das Projekt BBChemie bietet erfolgreiche Lernbegleitung für Auszubildende im Metallbereich


Gemeinsamer Einsatz für die Fachkräftesicherung: die zweite Ausbildungsgruppe im Projekt BBChemie mit (v. l. n. r.) Lernprozessbegleiterin Valeria Bogomolny, Dr. Karsten Rudolf, Leiter Bildungs- und Forschungsprojekte, Ausbilder Davide Muratore, den Auszubildenden Selim Tok, Anas Bachire, Berat Yigit und Felix Weber sowie Stefan Eckhardt, Leiter Ausbildung Labor, und Petra Esch, Projektleiterin BBChemie. Nicht im Bild: Bilal Laari. © 2022 Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH

Studien zufolge entscheiden sich immer weniger junge Menschen nach der Schule für eine duale Ausbildung. Gleichzeitig verliert der Arbeitsmarkt durch die demografische Entwicklung viele Fachkräfte. Um diesem ausgeprägten Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen, sind innovative Ausbildungsmodelle gefragt. Provadis hat daher 2021 ein Modellprojekt für den Berufszweig der Metallberufe an den Start gebracht: Mit einem neuen Konzept wird technisch interessierten Jugendlichen mit praktisch orientierten Potenzialen, aber Schwächen im Wissensbereich ein direkter Ausbildungseinstieg ermöglicht. Auf diese Weise verlieren Jugendliche und Unternehmen keine Zeit durch ein der Ausbildung bislang vorgeschaltetes Einstiegsprogramm, wie StartPlus oder das Einstiegsqualifizierungsjahr. Sieben junge Männer konnten bereits mehr als die Hälfte der insgesamt zweijährigen Ausbildungszeit zur Fachkraft für Metalltechnik absolvieren. Bei dem Ausbildungsprojekt in Zusammenarbeit mit Infraserv Höchst, der Standortbetreibergesellschaft des Industrieparks Höchst, profitieren sie von der besonderen Lernunterstützung. Nach diesen ersten positiven Erfahrungen ist jetzt auch eine zweite Gruppe an den Start gegangen.

Auszubildende mit Lernbegleitung gezielt unterstützen

Kern des Qualifizierungsangebots als Teil des Chemiebranchenprojekts BBChemie (Bedarfsorientierte Bildungswege in der Chemie) ist die intensive Lernbegleitung der Auszubildenden von Anfang an. „Unsere Aufgabe ist es, die angehenden Metallfachkräfte für die notwendigen Theorieeinheiten zu motivieren und sie beim Lernen zu unterstützen“, sagt Diplom-Pädagogin und Lernprozessbegleiterin Valeria Bogomolny. Oft sei die eigene Erwartungshaltung in Bezug auf das theoretische Wissen recht niedrig und eine gewisse Lernmüdigkeit bei den Jugendlichen festzustellen. Die Praxisphasen in den Betrieben von Infraserv Höchst sollen für einen großen Motivationsschub sorgen und die Lernbereitschaft der Auszubildenden steigern. „Wenn die Auszubildenden verstehen, wozu sie etwas lernen sollen, fällt es ihnen leichter“, weiß Bogomolny.

Der individuelle Lernbedarf erschließt sich aus einem engen Austausch zwischen allen Ausbildungsbeteiligten der verschiedenen Lernorte. In einem wöchentlichen berufspädagogischen Seminar setzen sich die Auszubildenden aktiv mit ihrem Lernverhalten auseinander und haben zusätzlich die Gelegenheit, ihre Lernzeit eigenständig zu gestalten. Dabei können sie Inhalte gemeinsam vertiefen und Fragen untereinander klären. Für den Provadis-Fachausbilder Davide Muratore sowie die betrieblichen Ausbildenden übernimmt die Lernprozessbegleiterin eine Beratungsfunktion. Sie tauscht sich mit ihnen unter anderem über neue Möglichkeiten der Wissensvermittlung aus. Im Gegensatz zu anderen Programmen sind Fachausbilder und Lernprozessbegleiterin als konstante Ansprechpartner im Ausbildungsalltag in der Werkstatt vor Ort.

Spannendes erstes Jahr – positive Rückmeldungen

Jonas Schmitt ist einer der sieben Auszubildenden im ersten Jahrgang des Modellprojekts. Nach der Berufsfachschule mit Abschluss Metalltechnik hat er sich auf Empfehlung eines Freundes hin bei Provadis beworben. „Die Möglichkeit, zu festen Zeiten gemeinsam mit Frau Bogomolny und Herrn Muratore zu lernen, finde ich sehr gut“, sagt Jonas. „Wir können auch zwischendurch immer Fragen stellen.“ Nach dem Abschluss zur Fachkraft für Metalltechnik möchte der 18-Jährige am liebsten noch die eineinhalbjährige Ausbildung zum Industriemechaniker ergänzen. Besonders viel Spaß macht ihm die Arbeit an den Maschinen. In den Betriebsphasen war er bisher bei der Wartung von Kälteanlagen im Einsatz.

„Wir blicken auf ein spannendes erstes Jahr mit dem neuen Qualifizierungsprojekt zurück“, sagt Heike Kraus, Ausbildungsbeauftragte bei Infraserv Höchst. „Wir haben von den betrieblichen Ausbildern viele positive Rückmeldungen bekommen und auch die Auszubildenden fühlen sich sehr gut unterstützt und aufgenommen.“ Das Pilotprojekt habe zwar für alle Beteiligten einen Mehraufwand bedeutet, aber dieser habe sich gelohnt: „Ich kann das Ausbildungsmodell absolut unterstützen, denn auf diese Weise gewinnen wir Fachkräfte, die besonders praxisorientiert sind und die wir sonst vermutlich nicht rekrutieren könnten“, betont Kraus.

Im September hat eine zweite Gruppe von fünf Jugendlichen mit der Ausbildung in dem Modellprojekt BBChemie begonnen. Dadurch ist es möglich, die Ergebnisse der ersten Runde zu evaluieren. Auch das Unternehmen H & R Industrierohrbau GmbH aus Frankfurt hat sich dazu entschlossen, als Partnerunternehmen vier Metallfachkräfte über das Ausbildungsmodell zu qualifizieren. „Der Markt an Nachwuchskräften ist sehr begrenzt, deshalb bietet uns das Modell eine gute Möglichkeit, Fachkräfte für unseren Bedarf auszubilden“, erklärt Stephan Wolf, Leiter Schweißtechnik und Ausbildungsbetreuer bei H & R Industrierohrbau. „Wir finden es gut, dass auch Jugendliche mit schwächeren Schulnoten eine Chance bekommen und durch die Lernunterstützung gefördert werden. Die Partnerschaft mit Provadis ist für uns eine Ideallösung, da wir selbst nicht alle notwendigen Ausbildungseinrichtungen haben.“

Ziel ist es, das Modellprojekt in der Ausbildung in Abstimmung mit den Chemiesozialpartnern langfristig auszuwerten und aufzubauen. Ein Expertenworkshop, unter anderem mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), hat die bisherigen Ergebnisse vielversprechend bewertet. Eine Übertragung auf andere Branchen und Berufe wird aktuell geprüft.

Alisa Mahler

Alisa Mahler

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An der Provadis Hochschule studieren über 1.100 Studierende in dualen und berufsbegleitenden Studiengängen mit international anerkannten Bachelor- und Masterabschlüssen. Die Hochschule bündelt ihre interdisziplinären Aktivitäten in den Fachbereichen sowie im Zentrum für Industrie und Nachhaltigkeit.

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